Nach einer Wartung oder Reparatur stellt sich oft eine einfache Frage: Hält die Uhr wieder zuverlässig dicht? Schon kleine Abweichungen an Dichtungen, Krone oder Gehäuseboden können dazu führen, dass Feuchtigkeit eindringt. Eine Kontrolle der Dichtheit schafft Klarheit, bevor Wasser, Dampf oder Staub Schäden am Werk verursachen.
Die Prüfung ist mehr als ein kurzer Blick auf neue Dichtungsringe. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Gehäuse, Glas, Drückern und Verschraubungen sowie der Zustand von Schmiermitteln an den Dichtflächen. Gerade nach dem Öffnen des Gehäuses lohnt sich ein sauber dokumentierter Test, damit die angegebene Wasserdichtigkeit nicht nur auf dem Papier steht.
Auch der Alltag setzt Grenzen: Temperaturwechsel, Seifenreste, Chlor oder Salzwasser belasten Dichtungen und verändern das Verhalten von Materialien. Eine frische Prüfung nach dem Service zeigt, ob die Uhr die erwartete Reserve besitzt und wofür sie im täglichen Gebrauch wieder geeignet ist.
Benötigte Prüfgeräte und Prüfparameter: Unterdruck/Überdruck, Prüfdruckstufen und Grenzwerte je nach Uhrtyp
Für die Dichtheitskontrolle nach einem Service kommen vor allem zwei Gerätegruppen zum Einsatz: Trockenprüfgeräte (Luftprüfung) und Nassprüfgeräte (Wasserbad mit Vordruckkammer). Trockenprüfgeräte arbeiten meist mit Sensoren zur Gehäuseverformung bzw. Druckänderung und eignen sich gut für eine schnelle Kontrolle ohne Wasserkontakt. Nassprüfgeräte zeigen Leckagen über austretende Luftblasen, setzen aber eine saubere Vorgehensweise voraus, damit Wasser nur dann an die Uhr gelangt, wenn sie zuvor im Gasraum unter Druck gesetzt wurde.
Als Prüfparameter werden Unterdruck und Überdruck verwendet. Unterdruck deckt häufig Leckstellen an Glas-, Kronen- oder Bodendichtungen auf, weil Luft aus dem Gehäuse nachströmen will; typische Unterdruckwerte liegen bei -0,3 bis -0,7 bar, je nach Gerät und Herstellervorgabe. Überdruck simuliert das Eindringen von Wasser von außen und wird in Stufen gefahren; gängige Startwerte sind +0,5 bis +2 bar für eine Vorprüfung, bevor höhere Stufen folgen. Bei beiden Richtungen sind Stabilisierungszeit, Messdauer und Temperatur (konstant halten) mitentscheidend, weil Materialelastizität und Luftvolumen das Messergebnis beeinflussen.
Die Prüfdruckstufen sollten an Uhrtyp und Gehäusekonstruktion angepasst werden. Eine praktikable Staffelung ist: erst Unterdruck, dann niedriger Überdruck, anschließend die Zielstufe gemäß Aufdruck/Herstellerangabe. Bei Trockenprüfung wird häufig in zwei bis drei Stufen gemessen (z. B. -0,5 bar, +1 bar, +5 bar), damit ein schleichender Verlust nicht durch eine einzelne Kurzprüfung verdeckt bleibt. Bei Nassprüfung gilt: erst im Gasraum auf die vorgesehene Stufe bringen, dann die Uhr ins Wasser absenken und den Druck langsam reduzieren, damit Blasen bei Leckage klar erkennbar sind.
Grenzwerte hängen vom Messprinzip ab: Trockenprüfer geben meist eine zulässige Leckrate bzw. Druckänderung vor (z. B. max. X mbar/min oder eine gerätespezifische „Pass/Fail“-Kurve), Nassprüfer arbeiten visuell. Als grobe Orientierung für die Zielstufe: Dress-Uhren oft 3 bar, Alltagsmodelle 5 bar, Sportuhren 10 bar, Taucheruhren mindestens 20 bar bzw. nach Norm/Hersteller; bei Chronographen mit Drückern und bei Gehäusen mit Glasboden werden die Anforderungen an Dichtungen und Montagequalität spürbar höher. Bei Vintage-Uhren oder porösen Dichtflächen kann eine reduzierte Zielstufe sinnvoll sein, wenn der Kunde dies freigibt und die Abweichung dokumentiert wird.
Zusätzlich beeinflussen Kronenstellung (verschraubt, gedrückt, gezogene Position), Drücker (nicht betätigen während der Prüfung), Dichtungstyp (O-Ring, Flachdichtung, Tubus-/Kronendichtung) und Gehäusevolumen die Messauswertung; daher sollten Prüfprotokolle Uhrtyp, Stufe, Dauer und Ergebnis festhalten. Eine saubere Zuordnung „Aufdruck in bar/ATM“ zur tatsächlichen Prüfstufe verhindert Fehlinterpretationen, weil der Aufdruck die Klassifizierung beschreibt, nicht die konkrete Werkstatt-Methodik. Nach jeder Nacharbeit (Krone, Tubus, Glas, Boden) die Sequenz erneut fahren, statt nur die höchste Stufe zu wiederholen.
Ablauf der Dichtheitsprüfung nach dem Service
Nach einem Service wird die Wasserdichtheit in klaren Schritten geprüft: zuerst trocken zur schnellen Fehlererkennung, danach nass zur Bestätigung unter realen Bedingungen, ergänzt durch einen Kondens-/Feuchtecheck. So lassen sich undichte Stellen an Glas, Krone, Drückern, Tubus oder Gehäuseboden gezielt lokalisieren, bevor die Uhr wieder an den Kunden geht.
Vorprüfung (trocken)
Die Trockenprüfung erfolgt im Druck-/Vakuumgerät ohne Wasserkontakt. Das Gehäuse wird definierten Druckstufen ausgesetzt; Sensoren erfassen kleinste Volumen- bzw. Gehäuseverformungen, aus denen sich eine Leckrate ableiten lässt. Auffälligkeiten führen zur Nacharbeit (Dichtungen, Sitzflächen, Kronendichtung, Drückerdichtungen, Boden- und Glasdichtung) und zur Wiederholung der Messung, bis die Werte stabil sind.
Nassprüfung, Kondens-/Feuchtecheck und Dokumentation
Besteht die Uhr die Trockenprüfung, folgt die Nassprüfung: Das Gehäuse wird unter Druck gesetzt und anschließend in Wasser geführt; austretende Luft zeigt Leckstellen sichtbar an. Danach wird der Kondens-/Feuchtecheck durchgeführt, z. B. durch definiertes Anwärmen und anschließendes Abkühlen des Glases; Beschlag oder Tröpfchenbildung deuten auf Restfeuchte oder Undichtigkeit hin. Abschließend werden Prüfdaten, Prüfdruck, Dauer, Ergebnis, ggf. Austausch von Dichtungen sowie Seriennummer und Datum dokumentiert.
| Prüfschritt | Medium | Ziel | Typisches Ergebnis |
|---|---|---|---|
| Trockenprüfung (Druck/Vakuum) | Luft | Leckrate erkennen, ohne Wasser | Bestanden / Leckrate über Grenzwert |
| Nassprüfung | Wasser unter Druck | Leckstelle sichtbar machen | Keine Blasen / Blasen an Krone, Drücker, Boden, Glas |
| Kondens-/Feuchtecheck | Temperaturwechsel | Restfeuchte im Gehäuse feststellen | Kein Beschlag / Beschlag, Tropfen |
| Dokumentation | Protokoll | Nachweis der Prüfung | Messwerte, Druckstufen, Datum, Ergebnis, Hinweise |
